29/07/2016

Studie: Geschäftsmodelle in der digitalen Wirtschaft

Die Digitalisierung ist in aller Munde. Doch was ist der Status quo in der betrieblichen Praxis, wer hat die Nase vorn und wie sieht es mit dem vielbeschworenen Nutzen aus? Eine Studie der Technischen Universität München mit dem Titel „Geschäftsmodelle in der digitalen Wirtschaft” (Nr. 13-2016) gibt Antworten auf diese und andere Fragen. Hier eine kurze Zusammenfassung der 150-Seiten-Studie.

Ziele

Im ersten Teil werden die Ziele der Studie genannt; diese sind:

  • Den Nutzen von Big Data und Cloud-Computing aufzeigen und damit Erfolgsfaktoren der digitalen Transformation aufzeigen
  • Eine Entscheidungsgrundlage für Unternehmen zum Ausbau der digitalen Themen schaffen
  • Herausforderungen bei der Umsetzung der Digitalisierung erarbeiten
  • Hilfe bei der Entscheidungsfindung staatlicher Förderinstrumente schaffen

Methodik und High-level-Ergebnis

Die Studie verwendet mehrere Methoden der Datenbeschaffung wie qualitative Befragungen, Literaturrecherche und Datenbankauswertungen von Unternehmensdaten.
Ihr zentrales Ergebnis ist:
Die Entwicklung digitalisierter Geschäftsmodelle hält unvermindert an, und wird durch die Möglichkeiten des Cloud-Computing beschleunigt. Dabei ist die Digitalisierung nicht nur im Internet zu beobachten, sondern auch in bestehenden „klassischen“ Branchen wie der Maschinenindustrie.

Der Status Quo

Der Startpunkt der Studie ist eine Ermittlung des aktuellen Standes der Digitalisierung und der neuen Geschäftsmodelle, und zwar zeitlich und im Ländervergleich. Die wesentlichen Ergebnisse sind:

  • Spitzenreiter bei der Marktkapitalisierung sind die USA (ca. 5 Mrd. €).Zum Vergleich dienen Deutschland (ca. 340 Mrd. €), Korea (ca. 300 Mrd. €) und Schweden (ca. 100 Mrd. €).
  • Schlüsseltechnologien bei der Digitalisierung sind Big Data, Analytics, Cloud-Computing und mobile Technologien.
  • KMUs sind generell eher abwartend mit einer Umsetzung vor allem im operativen Bereich wie Maschinensteuerung usw.
  • Grossunternehmen sind eher aktiv, und zwar überwiegend im Bereich der organisatorischen Veränderung, d.h. in der radikalen Veränderung der Wertschöpfung mit dem Ziel erhöhter Wettbewerbsfähigkeit und der Erschliessung neuer Märkte.
  • Mehr als zwei Drittel der Unternehmen berichten von erheblichen Umsatzsteigerungen bzw. Kosteneinsparungen im Bereich von etwa 70%.
  • Für den wirtschaftlichen Erfolg der digitalen Massnahmen ist der Reifegrad der Digitalisierung im jeweiligen Unternehmen sehr wesentlich.

Digitalisierung im Jahr 2016
Bild: Status quo der Digitalisierung („Geschäftsmodelle in der digitalen Wirtschaft” (Nr. 13-2016))

Erfolgswirkung digitaler Geschäftsmodelle

Die Studie liefert zahlreiche Fallbeispiele für digitale Transformation im Handel, in der Medienindustrie, in Grossunternehmen und im Mittelstand. Dabei ist allen diesen Branchen gemein, dass die Digitalisierung grosse Umwälzungen mit sich bringt.
Die Autoren der Studie gehen u.a. auch den Fragen zur Veränderung der Wertschöpfungsketten nach: die wesentlichste Veränderung besteht demnach in einer rasch zunehmenden Vernetzung und Plattformbildung der betreffenden Firmen.

Realisierter Nutzen von Big Data und Analytics

Der Verbreitungsgrad der neuen Technologien nimmt in den Unternehmen stetig zu, allerdings sind auch hier die Grossunternehmen deutlich die Vorreiter. Der Nutzen von Big Data-Anwendungen wird in den meisten Unternehmen vor allem unter dem Aspekt „Kundenorientierung“ sehr hoch bewertet. Aber auch die innerbetriebliche Optimierung und die Entwicklung neuer sog. „disruptiver“ Geschäftsmodelle erzeugen merklichen Nutzen.

Social Business und Cloud Computing

Social Media können mittels ihrer Netzeffekte bestehende Geschäftsmodelle fundamental verändern. Und auch Cloud-Computing hat grossen Einfluss auf die zukünftige Bereitstellung von IT-Dienstleitungen wie SaaS, PaaS und IaaS (Software-, Product- und Infratructure-as-a-Service).

Zukunftsszenarien oder: „wo geht die Reise hin?“

Die Studie prognostiziert einerseits eine stetig wachsende Zunahme der Digitalisierung in allen Branchen und Basissektoren. Sie begründet dies mit dem Ermöglichen weiterer Kostenreduktionen und dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit. Zum anderen werden die Entstehung signifikant neuer Wertschöpfungsketten, weitaus stärkerer Vernetzung (insbesondere mit dem Kunden) und vor allem eine Zunahme der datenbasierten Dienstleitungen vorausgesagt.
Ein zentraler Treiber der Digitalisierung dürfte die markante Verbesserung des Zugangs zum Endkunden sein. Sie erlaubt es, noch genauer auf seine Bedürfnisse reagieren zu können. Dies gilt nicht nur für KMUs, sondern z.B. durchaus auch für das Gesundheitssystem und für Grossunternehmen – bei denen allerdings die Gefahr besteht, dass sich sog. „Intermediäre“ mit ihren Dienstleistungen zwischen sie und den Kunden schieben.

Herausforderungen und Hemmnisse

Auch auf diesen Aspekt geht die Studie detailliert ein. Die wesentlichen Schwierigkeiten bei der Umsetzung auch gut fundierter Digitalisierungsvorhaben sind laut der Studie in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit:

  • Die Finanzierung
  • Mangelnde Umsetzungsfähigkeiten
  • Die aktive Unterstützung des Managements
  • Mangelnde Gesetzgebung
  • Bewahrung der Privatsphäre

Nur eine Vielzahl gezielt und koordiniert eingesetzter Massnahmen ist nach Meinung der Autoren geeignet, ein für die fortschreitende Digitalisierung geeignetes Umfeld zu schaffen. Denn es handelt sich also in nahezu allen Fällen um ausgewachsene Changeprojekte. Zudem weitere Aspekte wie gesetzliche Rahmenbedingungen, Förderinstrumente- und Massnahmen, Bildung, Standardisierung und gesellschaftliche Fragestellungen diskutiert.

Fazit

Die sehr umfassende Studie liefert zu sehr vielen Aspekten der Digitalisierung detaillierte und gut mit Zahlen und Einschätzungen der Autoren begründete Aussagen. Ausgehend vom Status quo entwirft sie ein mögliches, durchaus plausibles Bild der kommenden 10 – 20 Jahre, und leistet so eine wertvolle Orientierung für alle Unternehmen, die am oder schon im Tor der Digitalisierung stehen.

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